Kapitel 1 und 2
Auszug aus dem Roman Calcata.
alle Rechte: Braumüller Verlag, Wien & Mike Markart
1
Schon wieder diese römische Unruhe.
Ich spürte, dass gerade jetzt etwas passiert in der Stadt.
Oder sich ankündigt.
Irgendwo in den schmalen Gassen im Centro. Heraufzieht wie ein Gewitter.
Es war früher Abend. Und es war ein wenig kühler geworden, nach der
ungewöhnlichen Hitze Anfang November. Ich musste einige Einkäufe
erledigen und öffnete die Fenster, um die Wohnung mit frischer Luft zu
versorgen, während ich in der Nähe des Campo de' Fiori zum Einkaufen
bin. Als ich vom Fenster auf die Via di Tor Millina hinunter schaute, mich ein
wenig hinaus beugte, über die Fensterbank lehnte, bemerkte ich sofort, dass
irgendwo in der Stadt etwas Ungewöhnliches geschieht.
Etwas Wildes und Gefährliches.
Etwas nachhaltig Dunkles.
Ich konnte das daran erkennen, wie die Menschen unten in der Gasse aneinander
vorüber gingen. Wie sie die Bücher und Zeitschriften unter den Arm
geklemmt hatten. Aus den Geschäften und Lokalen aufs Pflaster hinaus
traten.
Ihre Fahrräder lenkten.
Ihre Schritte setzten.
Schauten.
Atmeten.
In den letzten Monaten hatte ich gelernt, diese Merkmale zu lesen.
Ich holte meinen über die Gasse hinaus gelehnten Körper ein, zog meine
Schuhe an und verließ die Wohnung. Lief durchs Trübe die Stiegen nach
unten, die Treppenhausbeleuchtung funktionierte nicht.
Schon seit Tagen.
Darum kümmerte sich aber keiner. Allerdings hatte ich mich daran schon
gewöhnt, tagelang zu warten, wenn irgendetwas im Haus zu reparieren ist. Ich
kannte es zur Genüge, im Winter in der kalten Wohnung zu sitzen, wenn die
Heizung ausgefallen war.
Oder ohne Wasser zu sein.
Vor dem Haus stand der Obdachlose, der ein wenig Deutsch sprach. Er sondierte
die Lage für die Nacht. Unsere Blicke trafen sich und ich hielt ihm die
Tür offen. Neben dem Eingang gab es eine kleine Abstellkammer. Die nutzte er
hin und wieder als Schlafplatz, wenn er jemanden fand, der ihm die Tür
öffnete. Die Eigentümer des Hauses sahen das nicht gerne.
Ich ging auf die Piazza Navona hinüber und von dort in Richtung Campo de'
Fiori. An der Ampel über den Corso Vittorio Emanuele roch es nach Rauch.
Dieser zog sich als markanter Faden durch die Abgase, die Tag und Nacht den
niemals abreißenden Strom von Autos und Motorrädern
einhüllten.
Schon wieder diese römische Unruhe.
Offensichtlich steuerte ich gerade auf ihr Zentrum zu.
Jene, die neben mir an der Ampel standen, schienen durch den Rauchgeruch nicht
irritiert zu sein. Ich überquerte den Corso, ging in die Via dei
Baullari.
Als ich den Campo de' Fiori erreichte, zogen bereits dichte Rauchschwaden von
der Piazza Farnese herein.
Ich käme nie auf die Idee irgendwo hin zu gehen, um etwas brennen zu sehen.
Oder tumultartige Zustände.
Ausschreitungen.
Ich ging jetzt nur jenen Weg, den ich ohnehin gehen wollte, um einige Dinge
einzukaufen, die ich dringend benötigte. Darum ließ ich mich in diesem
Moment von der Situation nicht von meinem Vorhaben abbringen.
Ich ging also weiter in jene Richtung, aus welcher der Rauch zu kommen schien.
Ich querte bereits die Piazza Farnese, hielt mich links und ging auf die Via del
Mascharone zu.
Von der Piazza sah ich bereits das Feuer. Ich ging noch einige Schritte, konnte
dann aber doch nicht in die Via del Mascharone, wie ich es mir eigentlich
vorgenommen hatte, da die Flammen auf der linken Seite an den Mauern bis zum
zweiten Stockwerk hinauf schlugen.
Das Fensterglas zersprang und regnete auf die Gasse herunter.
Auf die vielen Schaulustigen.
Eine Reihe Motorräder brannte.
Vermummte rannten gerade am anderen Ende der Via. Bogen nach links in die Via
Giulia.
Dort werden sie ihre Hauben, die sie über die Köpfe und Gesichter
gezogen haben, herunter reißen, dachte ich. Ihr Tempo drosseln, unbeteiligt
tun, um in den Menschenmassen sofort unsichtbar zu werden.
An dem Feuer konnte ich nicht vorbei. Das sah ich ein. Ich hielt mich deshalb
nicht länger als nötig hier auf.
Ich hörte die Sirenen. Polizei und Feuerwehr waren schon in der Nähe.
Ich machte kehrt. Muss einen kleinen Umweg machen. Von meinem Vorhaben, meine
Einkäufe zu erledigen, ließ ich mich deswegen ja nicht abbringen.
2
Ich hatte mich am Morgen, gleich nach dem Aufstehen, entschlossen, nach Calcata, das nördlich von Rom liegt, zu fahren.
Ich hatte Zeit und ich wollte dieses Vorhaben nicht allzu lange aufschieben. Schließlich neige ich dazu, von einem Vorhaben auch wieder abzukommen, wenn ich es nicht innerhalb kurzer Zeit in die Tat umsetze.
Ein paar Stunden später ging ich das erste Mal über jene Schwindel erregend hohe Brücke, auf welcher der Bus hält und die in den Ort hinüber führt.
Die Tür des Busses öffnete sich mit einem lauten Zischen und ich vergewisserte mich beim Chauffeur, dass es später einen Bus zurück nach Rom gibt. Ich konnte schließlich nicht sicher sein, in einem so kleinen, mir bis dahin vollkommen unbekannten Ort, eine Unterkunft zu finden. Darüber hinaus würde es zu kühl sein, um irgendwo im Freien zu übernachten.
Nachdem mich der Buschauffeur beruhigt hatte und mir die Abfahrtszeit 17 Uhr, die ich mir bereits in Rom auf einem Zettel notiert hatte, bestätigte, stieg ich aus dem Bus.
Ich stellte meine Tasche, in welcher ich Schreibmaterial, ein Buch über Käfer und meinen Fotoapparat mit mir trug, ab und wartete, bis der Wagen, der bergauf nur sehr langsam in Schwung kam außer Sicht war.
Die Brücke vibrierte, ächzte und ich war einige Zeit lang wie gelähmt.
Ich schaute hinüber auf Calcata, auf jenen Ort, dessen Fotografie ich vor wenigen Tagen in einer Buchhandlung in Rom auf der Rückseite eines Kochbuches zum ersten Mal gesehen hatte, das auf einem mächtigen, steinernen Zylinder thront. Dann nahm ich aber schleunigst meine Tasche und eilte fluchtartig über die Brücke, ohne nach links oder nach rechts, nicht einmal nach vorne zu schauen sondern auf den Asphalt, um so wenig wie möglich von der Höhe zu bemerken.
Ich kann nicht fliegen, deshalb meine Vorsicht.
Meine Angst.
An der Ortstafel, die an einem Steinhaus befestigt war, stellte ich meine Tasche neuerlich ab. Ich zog meinen Jackenkragen hoch, um mich gegen den kühlen Wind zu schützen.
In Rom war es sehr heiß gewesen, als ich zu Mittag am Busparkplatz Ottaviano in den Bus gestiegen war. Zum Glück aber hatte ich meine Jacke genommen, um meine Geldtasche und das Telefon griffbereit einzustecken.
Von dem Platz, an welchem ich nun stand, konnte ich hinunter sehen in einen Garten. Dort tobten drei junge weiße Katzen zwischen den Oleanderbüschen. Sie hüpften und schlugen mit ihren Tatzen nach den Blättern.
Aus dem Kamin des Hauses stieg Rauch.
Essen wurde gekocht.
Ich roch Rosmarin.
Salbei.
Ich schaute zurück an jene Stelle, wo der Buschauffeur mich aus dem Wagen gelassen hatte. Ich entschloss mich, am späten Nachmittag rechtzeitig hier an genau dieser Stelle zu sein, um den Bus schon vor der Brücke abzufangen. Um nicht noch einmal jene unerträgliche und gefährliche Strecke, die zwischen der Ortstafel und der Haltestelle liegt, auf mich nehmen zu müssen.
Ich nahm meine Tasche und ging in Richtung Stadtmauer.
In einer Bar, die noch außerhalb der Mauer lag, setzte ich mich an einen Tisch und bestellte einen Caffè.
Ein Mann und eine Frau saßen am Nachbartisch und spielten Karten. Ich schaute zu ihnen hinüber und versuchte herauszufinden, mit welchem Kartenspiel sich die beiden die Zeit vertrieben. Die Art und Weise, wie die Karten jedoch ausgeteilt wurden, war mir nicht bekannt. Ich konnte auch sehen, dass es sich bei dem Kartensatz nicht um die mir geläufigen französischen Spielkarten handelte. Und die italienischen Spielkarten waren mir zu diesem Zeitpunkt unbekannt.
Der Mann saß mit dem Rücken zu mir.
Die Frau teilte aus.
Drei Karten nahm jeder Spieler in die Hand, vier Karten wurden auf dem Tisch offen aufgelegt. Die Karten des Mannes konnte ich gut erkennen. Eine Karte zeigte eine Anzahl Schwerter, die zweite bauchige Schalen, die dritte hölzerne Stöcke.
Wurzelähnliches Holz.
Der Barista stellte die Tasse mit dem Caffè vor mir auf den Tisch. Ich nahm einen Schluck, ohne aber die Kartenspieler aus den Augen zu lassen.
Abwechselnd legten sie Karte um Karte einzeln zu den offen liegenden Karten, manchmal durften sie im Gegenzug eine oder mehrere Karten von den ausgelegten Karten nehmen und verdeckt auf ihrer Seite des Tisches ablegen. Als alle drei Handkarten abgelegt waren, erhielten die Spieler abermals drei Karten. Diesmal befanden sich im Blatt des Mannes zwei Karten, die Münzen zeigten. Schwerter, Schalen, Holzstöcke und Münzen sind offensichtlich die Farben italienischer Spielkarten, dachte ich.
Das Ablegen und Austeilen ging so lange, bis der ganze Kartensatz verbraucht war.
Ich hatte inzwischen ausgetrunken und fragte den Barbesitzer, ob ich meine Tasche bei ihm abstellen könne, um eine Runde durch den Ort zu machen und meine Hände dabei in den Hosentaschen zu vergraben.
Meine Hände sind zwei unruhige Personen, es ist ihnen vollkommen unmöglich, bewegungslos zu sein. Darum stecke ich sie ein, um vor ihnen Ruhe zu haben, wenn ich spazieren gehe. Denn stecken sie in meinen Hosentaschen, scheinen sie zu schlafen.
Was ist das für ein Spiel, fragte ich den Barbesitzer beim Aufstehen und hielt dem Mann meine Tasche hin. Er griff sie sich.
Scopa, antwortete er und stellte meine Tasche hinter der Theke ab. Ich zahlte, bedankte mich und deutete dabei auf meine Tasche.
Dann verließ ich die Bar und ging in Richtung Stadttor.
Kühler Wind strich über mein Haar.
Die Hände hatte ich eingesteckt. Dadurch hatte ich meine Ruhe.
Als ich das Tor passierte, tauchten in meinem Rücken ein paar Hunde auf.
Struppige Mischungen.
Große und kleine. Die liefen laut bellend an mir vorbei, in den Ort hinein. Die großen voran, kleinere hinten nach und ein ganz kleiner zum Schluss. Ihr Gebell prallte an die Mauern, vervielfältigte sich und schlug mir dadurch verstärkt entgegen.
Ich war zur Seite gesprungen und drückte mich an den kühlen Stein. Ich hatte ja nicht gewusst, wie ich die Situation einzuschätzen habe. Es hätte ja sein können, dass die Hunde mich meinten mit ihrem Kläffen, ihrer Jagd. Doch die Hunde liefen an mir vorüber und einen Augenblick später waren sie bereits verschwunden.
Ich wartete kurz, dann ging ich weiter. Als ich die Stadtmauer bald darauf durchquert hatte und den Ort erreichte, war es ruhig. Vielleicht hatten sich Haustüren hinter den Hunden geschlossen, oder sie hatten sich einfach beruhigt und lagen in einer der Gassen auf dem Stein, der von der Sonne noch ein wenig angewärmt war.
Ich machte eine Runde durch den Ort, ging in jede kleine Gasse. Der Ort ist so klein, dass ich dafür nicht mehr als eine halbe Stunde benötigte. Trotzdem ich immer wieder stehen blieb und die verwitterten Fassaden betrachtete.
Von der Via Garibaldi, von jener Stelle also, an welche man gelangt, wenn man das Innere des Orts durch die Stadtmauer, die Via degli Anguillara erreicht, führen die Gassen wie Finger an einer ausgebreiteten Hand in alle Richtungen. Sie enden auch ähnlich schnell. Oft geht man nicht mehr als 40 oder 50 Schritte und schon hält eine niedrige Mauer einen auf.
Dort ist der Ort zu Ende. Von dieser Stelle geht es dann im freien Fall hinunter.
In eine Ebene aus Wald, Büschen und einem Fluss, den Treja. Einen einzigen Blick wagte ich damals über die erste dieser gerade bis zu meinem Bauch herauf reichenden Mauern, an die ich während meines Spaziergangs gelangte.
Ich erschrak und riss meine schlafenden Hände aus den Hosentaschen. Diese erwachten sofort und griffen nach der Mauer, um sich abzustützen. Und um sich genau diese Armlänge fern zu halten vom Abgrund. Ich machte kehrt und eilte ganz benommen zurück zur Via Garibaldi. An die anderen dieser Mauern, welche den Ort umgeben und beenden, wagte ich mich schon nicht mehr heran.
Und bis heute komme ich diesen Mauern nicht zu nahe. Ich kenne meine Grenzen und respektiere sie.
Ich durfte mir nicht allzu sehr Zeit lassen, um den Bus keinesfalls zu versäumen. Natürlich hätte ich gerne eines der Lokale aufgesucht. Die Speisekarten, die an den Türen ausgehängt waren, erinnerten mich daran, dass ich den ganzen Tag nichts gegessen hatte. In Rom war es mir zu früh, um etwas zu essen, und hier hatte ich bisher nicht daran gedacht. Jetzt hatten die Lokale allerdings geschlossen und sie würden auch noch nicht geöffnet haben, wenn ich bereits bei der Ortstafel stehe in der Hoffnung, den Bus vor der Brücke abzufangen, um mir dadurch einiges an Angst zu ersparen.
Ein wenig Zeit hatte ich jedoch noch und so ging ich zügig zurück in die Bar und holte meinen Fotoapparat aus der Tasche, die hinter der Theke lehnte. Haben meine Hände etwas zu halten, zu tragen, machen sie mir keine Schwierigkeiten.
Im Ort fotografierte ich die Plätze, die Gassen und eine Vielzahl der Häuser.
Keine künstlerischen Fotos.
Nur Einträge. Als Erinnerungshilfen.
Hauseingänge.
Fenster.
Katzen.
Pflanzen.
Keine Menschen, denn innerhalb der Stadtmauer traf ich niemanden. Darüber hinaus fotografiere ich keine Menschen, ohne sie zu fragen.
Das Licht war günstig. Es war ungefähr 16 Uhr, die Objekte bekamen Konturen und Feuer.
Ein paar der Häuser waren unbewohnt, fiel mir auf. An einem war ein Schild angebracht mit der Aufschrift, das Haus sei zu verkaufen. Darunter waren eine Telefonnummer mit römischer Vorwahl und der Name und die Anschrift eines Immobilienmaklers in dem Viale Giuseppe Mazzini angegeben. Ich fotografierte die Adresse, denn mein Schreibmaterial hatte ich in der Tasche. Und diese bewahrte ja der Barista für mich auf.
Ich probierte, ob die Tür des Hauses offen ist. Erwartungsgemäß war sie aber verschlossen. Die hölzernen Balken waren obendrein vor die Fenster gezogen, ich konnte also keinen Blick ins Innere des Hauses werfen.
Links neben der Eingangstür stand eine Holzbank. Die Farbe war abgeblättert, vielleicht war die Bank einmal rot oder rötlich braun. Eine Andeutung war geblieben.
Auf dieser Bank lag ein Heft.
Ich hob es auf und blätterte darin. Es war mit kurzen Geschichten vollgeschrieben. Tagebuchähnlichen Einträgen. Mit Bleistift in schwer leserlicher Schrift. Die Einträge waren mit Datumsangaben versehen und mit Namen übertitelt, die mir nichts sagten: Colutto, Farin, Pallarossa. Undsofort.
Dann schlug ich das Heft wieder zu. Auf seinem Umschlag stand:
Meine Orte.
Darunter ein Name: Emilio Persichetti.
Das Heft machte auf mich einen vollkommen unversehrten Eindruck. Es konnte also nicht länger als vielleicht ein oder zwei regenfreie Tag hier gelegen sein. Es erschien mir sogar möglich, dass irgendjemand das Heft für nur kurze Zeit hier abgelegt hatte. Ich behielt das Heft in der Hand, sah mich allerdings in jede Richtung um. Ich konnte von dem Platz vor dem Haus aus jedoch niemanden sehen.
Ich ging in die Gassen hinein. Auch dort war niemand.
Ich entschloss mich, das Heft mitzunehmen. Schließlich kannte ich das Wetter im November in Rom und im römischen Hinterland. Es konnte ohne große Anzeichen zu regnen beginnen.
Meist heftig und kurz.
So ein Regen würde das Heft zerstören. Doch ich war neugierig auf den Inhalt des Heftes, auf die Orte Emilio Persichettis geworden und ich konnte es ja jederzeit wieder zurückbringen.
Da ich mir vorgenommen hatte, spätestens um 16.45 an der Ortstafel auf den Bus zu warten, ging ich zurück in die Bar, um meine Tasche zu holen.
Die Frau und der Mann spielten noch immer Karten.
Scopa.
Ich öffnete meine Tasche, die mir der Barbesitzer ausgehändigt hatte und verstaute die Kamera.
Ich nahm mir vor, mich über das Kartenspiel zu informieren und mir in Rom gleich am nächsten Tag italienische Spielkarten zu besorgen.
Ich überlegte kurz, ob ich den Barbesitzer auf Emilio Persichetti ansprechen soll. Allerdings entschied ich mich dagegen, schließlich hatte ich mich entschlossen, das Heft vorerst mitzunehmen und zu lesen.
Ich bedankte mich noch einmal beim Barbesitzer, nickte auch den Kartenspielern, die ihre Köpfe gehoben hatten, zu und verließ die Bar. Einige der Hunde, die mich früher erschreckt hatten, waren zurückgekommen. Sie warteten auf der Straße und folgten mir ans Ende des Ortes.
Ich war, wie ich es mir vorgenommen hatte, um 16.45 an der Ortstafel. Dennoch machte ich mir Sorgen, ob der Bus wohl noch kommen würde. Zwei junge Leute kamen allerdings im selben Augenblick hinzu und das beruhigte mich.
Auch sie wollten nach Rom.
Einer der Hunde legte sich zu meinen Füßen. Neben meine Tasche. Die anderen drehten ab und gingen zurück in den Ort. Träge, als stimmten sie sich auf die kommende Nacht ein.
Der Bus kam pünktlich.
Ich nahm meine Tasche, als ich ihn von weitem sah und machte einen Schritt auf die Straße hinaus. Die jungen Leute stellten sich neben mich. Auch sie trugen Gepäck mit sich.
Der Bus hielt.
Zischend falteten sich die Türflügel auseinander.
Er war nur spärlich besetzt und ich nahm in der zweiten Reihe am Fenster Platz. Genau dort, wo ich schon bei der Fahrt zu Mittag gesessen war.
Ich lehnte mich zurück und schloss die Augen. Für kurze Augenblicke schlief ich immer wieder ein.
Der Bus hielt im Norden Roms an der Saxa Rubra Station und alle Fahrgäste stiegen aus. Ich wunderte mich noch, denn jene Haltestelle im Inneren der Stadt, wo ich zu Mittag in den Bus eingestiegen war, hatten wir noch lange nicht erreicht. Doch der Buschauffeur drehte sich nach mir um und bedeutete mir, dass hier die Endstation sei. Ich griff mir meine Tasche und stieg also aus.
Ich nahm den Zug und fuhr bis zum Piazzale Flaminio. Von dort ging ich zu Fuß in Richtung meiner Wohnung, die in der Nähe der Piazza Navona lag, denn ich hatte mir während der Busfahrt überlegt, mir unbedingt noch heute einen Satz Spielkarten zu kaufen und ich hoffte, auf dem Heimweg an einem entsprechenden Geschäft vorbei zu kommen.
Aber erst in einem Spielwarenladen auf der Piazza Navona bekam ich die Karten zu kaufen. Ich hätte also mit dem Bus fahren können, hätte ich das vorher gewusst.
[...]